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31.03.12 - 10:02 Uhr

The fine Art of Entertainment


Wenn sich die Lokalmatadore hinstellen, ist Ausverkauf angesagt. Also kartenmäßig, nicht der reduzierten Preise wegen. Es gehört schon irgendwie zum Stimmlos-Konzertprozedere, dass sich die acht Herren in Schwarz im Emailwerk einer vollen Halle gegenübersehen. Soweit also - einmal wie immer. Neu an diesem Abend der Titel: „Schlagerparade“

Die „Caravan Of Love“ als tonale Eröffnung ist programmstrategisch ein geschickter Schachzug. Roman Öschlbergers feiner Tenor bringt die Massen zur Ruhe. Da und dort ein erfreutes männliches „Aaahh“ oder ein entzücktes feminines „Ooohh“ aus den Reihen. Dann ist es still. Die Caravan zieht wie eine Valium durch die Blutbahnen…

Wer sich bei einem Stimmlos-Abend ein astreines Vokalkonzert im klassischen Sinn erwartet, ist hier fehl am Platz, sofern man überhaupt einen bekommen hat. Die acht Midlifer als A-cappella-Oktett zu bezeichnen, ist in etwa, also würde man das Rat Pack in die Rubrik Vokaltrio (oder Sextett - je nach Epoche) einordnen. Beide Formationen sind gesungenes Entertainment, Varietee nach Noten, mitreißendes A-cappella-Vergnügen mit leichtem Hang zum Kabarett. Das Publikum zerklatscht sich bereits nach der ersten Nummer. Und so geht es weiter. Feinste Vokalkunst trifft auf herrliches Entertainment – Herz, was willst du mehr?

Wesentlichen Anteil am Entertainment-Charakter dieses Abends hat natürlich das Programm, aber insbesondere auch der Herr zur ganz rechten, mit dem Mikrophon, dass er nach jeder Nummer aus einer anderen Tasche zu ziehen scheint. Paul Herbst genießt den Dialog mit dem Publikum. Mit pointiertem Humor, einer feinen Prise Ironie und manchmal schwärzestem Witz führt er die köstlich amüsierte Zuhörerschaft von Nummer zu Nummer. Viele schaffen es nicht, das Lachen bis zur nächsten Nummer abzudrehen – die Stimmlosen zeigen sich von derlei Unbeherrschtheit wenig beeindruckt.

Das Schiff hat den Hafen verlassen und ist ab der zweiten Nummer („Junge komm bald wieder“) nicht mehr zu bremsen. Erich Pötzelsberger macht an Bass, Trompete und Percussion einmal mehr „beste Figur“, sein berühmter Waist-Move lässt ein paar Damen in der ersten Reihe nahezu ohnmächtig werden. Franz Pötzelsberger hatte für sein Solo in „Yes I’m the Great Pretender“ vermutlich wieder ein Groupieproblem in der Garderobe und Roman „Tongue-Seduction“ Öschlberger musste nach „Küssen verboten“ ein paar enttäuschte Herzen verantworten.

Eine Dame beklagte in der Pause ihre brennenden Kiefermuskeln. Kein Wunder, hatte sie doch zuvor Erich Pötzelsberger auf Video und in einem Ruderboot in den Wallerseehorizont entschwinden sehen. Live begleitet von „Wenn auf Capri die rote Sonne im Meer versinkt“. Das Publikum stöhnt vor Lachen.

„Lady Sunhine& Mr. Moon“, „Ohne Krimi geht die Mimi“, „Griechischer Wein“, „Good Vibrations“, „Biene Maja“ – der Stimmlos-Dampfer schlägt Stimmungswellen, gegen die das Oktoberfest aussieht wie ein Rentnerbus auf Kaffeefahrt. Die Stimmlosen geben alles. Sanitäter ziehen die ersten Ohnmächtigen aus der Menge, die Security ist mit den tobenden Fans völlig überfordert, in den Nachbargemeinden gehen die ersten Sirenen, Absperrungen werden überrannt, Menschenmassen und Chaos wohin man sieht, vereinzelte Hilfeschreie…

(mw)

 

 











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