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11.03.12 - 11:43 Uhr

Liebeslieder mit doppeltem Boden


Gäbe es in Österreich ein Radioformat für Chansons wie in Frankreich, wäre Georg Clementi längst ein großer Star. Er ist zweifellos ein Multitalent, der viele Formen des Geschichtenerzählens beherrscht und mit seiner vereinnahmenden Gesangstimme seinen musikalischen neuesten Kreationen einen wunderbaren Ausdruck verleiht.

 

Tiefgehende, berührende Lieder, zum Teil in der Tradition der französischen Chansons, paaren sich hier mit Inhalten, die prägend unsere Zeit bestimmen. Inhalte, die der gleichnamigen Hamburger Wochenzeitung entnommen sind und von Clementi zu Kunstwerken weiterverarbeitet werden. Zu Liebesliedern, gerichtet an unsere Welt, aber viele davon mit doppeltem Boden, wie zum Beispiel die satirische Betrachtung des „Die Zeit“-Kolumnisten Harald Martenstein mit dem Titel „Das Kopftuch entfaltet radikalere Wirkung als ein Dieter-Bohlen-Tattoo“. Bei einem Lied wie diesem öffnet Clementi seinen ganzen künstlerischen Werkzeugkasten: Er beschreibt ein Thema, das schlimmer nicht sein könnte, den anhaltenden Rassismus gegen Muslime im westeuropäischen Alltag und bringt das Publikum dazu, lachend mitzuklatschen. Das führt nicht dazu, dass dieses Thema verharmlost wird, sondern viel mehr zum Nachdenken, besonders, wenn man dann eine Nacht darüber geschlafen hat.

 

Nachhaltige Geschichten, jenseits aller Plattitüden, das ist der Weg dieses Georg Clementi, hier lotet er Befindlichkeiten zwischen Sinn und Sinnlichkeit aus. Traumwandlerisch, betörend und anrührend,

verwoben in Melodien, mal zum Bersten kraftvoll, mal umarmend, mal voll versponnener Innigkeit.

 

Kongenial begleitet wird der dichtende Sänger und Schauspieler von Sigrid Gerlach-Waltenberger am Akkordeon und Tom Reif an der Gitarre. Die beiden entführen mit ihrer Spielweise die ZuhörerInnen auf eine Reise durch französische Straßencafés und verführen zum Träumen. Ein Wechselspiel von dezent bis temperamentvoll begleitet den Sänger durch jedes musikalische Terrain, ein Wechselspiel zwischen tanzenden Musette-Melodien vom Akkordeon und virtuosen Gitarren-Riffs.

 

Dieser Premierenabend endete, wie er enden musste - mit einem Publikum, dessen frenetischer Jubel das Trio des Georg Clementi bis in die Bar des Emailwerks begleitete. Und dort erzählte mir der Künstler, dass er ein Lieblingswort habe: Großzügigkeit. Ein Wort, das ihm während einer Jurytätigkeit einmal ans Herz gewachsen sei. Ein Wort, das dieses spezielle Werk „Zeitlieder“ von Georg Clementi gut beschreibt. Denn Großzügigkeit ist eine Tugend, die darin besteht, ohne Verpflichtung oder Zwang Anderen Leistungen oder Werte in einem Umfang zukommen zu lassen, die über das normale Maß oder das üblicherweise Erwartete hinausgehen. Und das ist bei dieser Premiere geschehen.

(lf)

 











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