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20.03.16 - 18:58 Uhr

20 Jahre – alles ist relativ


Fotos: Andreas Brandl, flausen.at

 

Einstein hat es bewiesen. Die Zeit kann in Bezug auf die Umgebung des Beobachters relativ langsam vergehen oder relativ schnell. Im Fall des sogenannten Stimmlos-Paradoxon ist beides zu beobachten. Gleichzeitig. So schnell vergehen 20 Jahre nur selten. So langsam altern nur wenige.

 

Der Zottelmarsch zum Programmauftakt von „Halbzeit“ bildet, als ein Stimmlos-Arrangement der ersten Stunde, sozusagen den Urknall des Abends. Von dieser musikalischen Singularität ausgehend, bewegen sich die acht Herren wellengleich in alle Richtungen des musikalischen Universums.

 

Es wären aber nicht die Entertainer in Schwarz, garnierten sie die drei ausverkauften Abende ihrer Jubiläumstournee nicht mit einer Unzahl an Gadgets und Gimmicks aus dem unbegrenzten Fundus 20jähriger Bühnenerfahrung. Ein Foto von den milchbebärteten Anfängen kostet den älteren Gästen im Publikum beinahe das Leben…

 

Stimmlos Moderator Paul Herbst mahnte das Auditorium, angesichts der überbordenden Erheiterung im berstend vollen Emailwerk, zur Mäßigung. Von Erfolg gekrönt wird dieser Versuch aber erst mit dem Hinweis, dass das treue Publikum die letzten zwei Dekaden auch nicht übersprungen hat. Freundschaft. Die Stimmlosen singen ein bezauberndes „Happy Together“ nach einer Vorlage von den „Turtles“ und schmeißen mit „Lass mich Dein Badewasser schlürfen“ von den „Viel-Harmonikern“, eine der stimmlosesten Nummern überhaupt, noch einen Scheit in das bereits lichterloh brennende Stimmungsfeuer.

 

Paul Herbst hatte an den drei Abenden ohnehin keine leichte Aufgabe. Ständig mit der schmerzhaften Tatsache des reifenden Alters konfrontiert, war es seine Aufgabe, daraus gute Pointen zu formen, sich dabei mit dem fortschreitenden Abend immer wieder selbst zu übertreffen und nebenbei noch durch das Programm zu führen. Kurz – 20 Jahre Erfahrung und sein begnadetes Talent für situativen Witz und blitzschnelle Assoziation - ließen im Publikum kein Auge trocken. Es war einfach zum Brüllen.

 

„Zum Brüllen“ wäre auch ein guter Alternativtitel für das Jubiläumsprogramm gewesen. Was nützt es schon, wenn die „Caravan Of Love“ dermaßen berührend interpretiert wird, dass man seinen Sitznachbarn an der Hand nehmen möchte, wenn danach von einem gezähmten Schwan für ein Fotoshooting die Rede ist? Wie könnte man einen genialen Franz Pötzelsberger als „Blues Brother“ gebührend verinnerlichen oder einen Roman Öschlberger alias George Michael genüsslich sitzen lassen, wenn man in der Verdauungsphase mit einem besoffenen „Santa Lucia“ konfrontiert wird und einem die trockenen Taschentücher schon längst ausgegangen sind.

 

Ein „gschupfter Ferdl“ hier, ein intra-oral gesteuertes „Ob-La-Di, Ob-La-Da“ dort, ein liebevoller „Sternenhimmel“ von einem fast hinaufreichenden Johann Breitfuss da und dazwischen singt ein Affe „schubidu…“. Da versickert jede Zurückhaltung beidseits der Bühne in den Fußbodenritzen. Beim näheren Hinsehen entpuppte sich der Affe übrigens als völlig außer Façon geratener Erich Pötzelsberger und das Lied als „Ich wär so gern wie du“ aus dem Film „Das Dschungelbuch“. Aber durch das tränengetrübte Auge konnte das kaum noch jemand erkennen.

 

Der Abend geht zu Ende, es ist keine Zeit vergangen, der Kreislauf der Relativität schließt sich. Roman „Flash“ Öschlberger, musikalischer Leiter der einzigartigen Herren in Schwarz, glänzt in einem atemberaubend schnellen „Ich bin Klempner von Beruf“. Donnernder Applaus. Was - schon elf Uhr? Das gibt’s doch nicht! Das Publikum hat die Zeit vergessen und die entertainenden Stimmlosen sind einmal mehr jung geblieben…

(mw)

 

 

 

 











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