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19.09.14 - 22:06 Uhr

Es ist angerichtet.


Die Protagonisten stehen auf der Bühne, das Publikum ist da, die Atmosphäre passt – was muss man jetzt noch tun? Ganz einfach, meint Georg Clementi gleich zu Beginn – wir müssen gar nichts. Wir müssen uns nur freuen…

Aus der Welt des Müssens, also aus unserer Welt, kommt dann auch Anna. Anna ist die Figur des ersten Liedes und eine von uns. Sie lebt ein Kunst-Leben zwischen Hochglanzkarriere und schlaflosen Nächten, zwischen Facebook-Glamourgirl und Burn-Out-Ruine, Anna ist eine von uns.

 

Und schon beim ersten Song wird Georg Clementi seinem weit vorauseilenden Ruf gerecht. Seine sprichwörtlich greifbare Energie und seine überschäumende Lust am Erzählen macht sich breit. Clementi ist wie ein Buch, das einen alles rundherum vergessen lässt und das man dem Leser, der von einer Seite auf die nächste giert, nur unter Lebensgefahr aus der Hand nimmt.

 

Als geborener Chansonnier ist Clementi ein hochemotionaler Interpret, wird aber niemals weinerlich oder platt. Selbst wenn er vom asiatischen Mädchen singt, dessen chromosomenfehlerhaftes Leben endet, bevor es den ersten Atemzug tun kann, steht Clementi hinter dem Spiegel und erzählt, während das Publikum den Tränen nahe ist.

 

Bei so viel Kraft hinter dem Mikro darf auch die musikalische Begleitung nicht hinter dem Sänger stehen, sondern gleichauf daneben. Sowohl Sigrid Gerlach-Waltenberger am Akkordeon als auch Tom Reif an der Gitarre übernehmen ihren Teil als Co-Autoren in Clementis Geschichten mit brillantem Feingefühl. Die beiden MusikerInnen bringen schon als Begleiter das Publikum zum Staunen. Wenn Gerlach und Reif aber ihre Soli übernehmen, bekommen auch die konzerterfahrensten Zuhörer weiche Knie. Es schwallt in einer Dichte und Akkuranz vom Bühnenpodest, dass man gerne die Augen schließt, um nur ja nichts zu verpassen.

 

Ungewöhnlich und deswegen wohltuend anders, ist das Betreff in Clementis Liedern. Für das wenig Greifbare und zu Nebulose, als dass man es in einer kurzen, berührenden Geschichte festmachen könnte, ist sich das Trio zu schade. Also machen die Drei einen großen Bogen um Liebe, Tod und Teufel im Allgemeinen, also genau jene Themen, auf die sich so viele Liedermacher mit Vorliebe stürzen. Clementi erzählt lieber von der roten Insel, einem roten Hausdach im Hochwasser irgendwo in Österreich. Er erzählt vom Himmel über Berlin und einem Polizisten darunter. Oder er erzählt vom Genuss eines saftigen Stück Schweinefleisches – natürlich aus Sicht des Schweines.

 

Es sind diese konkreten, kleinteiligen Bilder, samt genau passender musikalischer Inszenierung, die den Konzertabend mit Gerlach, Clementi und Reif um vieles spannender und fesselnder machten als gewohnt und die Formation von allen anderen unterscheidet. Zusammen mit Clementis unnachahmlichen Ausdruck zwischen weltmännischem Laissez-faire und detailverliebtem, emotionalem Fokus wurde das Emailwerk an diesem Abend zur musikalischen Bücherei. Eine schöne Geschichte.

(mw)











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